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  • Anna-Lena

Bücher, die uns geprägt und inspiriert haben - Anna's Empfehlungen


"Wir stehen auf den Schultern von Riesen." Das hat eine meiner Professorinnen in der Uni oft gesagt und genauso oft habe ich das abgetan als das Gerede einer Dozentin, die uns komische und komplizierte Bücher zu lesen gab. Doch wenn ich heute auf meine persönliche und feministische Entwicklung zurückblicke, wird mir klar: Sie hat natürlich vollkommen recht. Ein ganzes Leben würde lange nicht reichen, um all die Ideen, Theorien und Gedanken, die andere Menschen sich bereits gemacht haben, selbst zu erdenken oder zu erfahren (meine Gehirnkapazität auch nicht). Es ist ein unheimlich wertvoller Schatz, dass wir unser Denken durch Bücher so leicht erweitern können. Und nicht nur das Denken, sondern auch das Fühlen, die Grenzen im eigenen Kopf, die Sicht auf die Welt...


Deswegen haben wir eine kleine Auswahl jener Bücher zusammengestellt, die uns berührt, inspiriert, geprägt oder auf irgendeine Art weitergebracht haben. Los geht's:


"Untenrum frei" von Margarete Stokowski

Untenrum frei war eines der ersten feministischen Werke, das ich gelesen habe. Das war 2016 und ebenso lange bin ich bereits ein Stokowski-Fangirl. Durch ihren ganz eigenen Stil schafft Margarete Stokowski es, ihren Büchern eine Leichtigkeit zu geben, auch wenn sie schwere Themen behandeln. Wäre dies ein betont seriöses und sachliches Buch gewesen, das dediziert Theorien erklärt, hätte es wohl damals, in dieser Phase meines Lebens, nicht so bei mir eingeschlagen, denn damals dachte ich: Mensch, läuft doch alles ganz gut mit der Gleichberechtigung. Und dann kam Margarete Stokowski und hat mir aufgezeigt, an wie viele Dinge ich mich in meinem normalen Leben bereits gewöhnt hatte, die aber, wenn man sie mal unter die Lupe nimmt, einfach katastrophal sind. Geblieben sind mir einige Erkenntnisse und der Satz (sinngemäß): Wie können wir untenrum frei sein, wenn wir es obenrum nicht sind?


"Der Ursprung der Liebe" von Liv Strömquist

Oft habe ich mich schon gefragt, woher eigentlich all die Normen und Glaubenssätze über Frauen, über Liebe, über Beziehungen, über unsere Gesellschaft als Patriarchat begründet liegen. Dieses Buch hat mir viele Antworten dazu geliefert. Ziemlich schonungslos enthüllt es, warum Frauen scheinbar immer über Gefühle reden wollen und Männer nicht oder warum alte Männer oft von jungen Frauen gepflegt werden,. Es zeigt auf, wie Beziehungsdynamiken zwischen Männern und Frauen oft gestrickt sind und warum uns das sexuelle Eigentumsrecht in Form von Monogamie immer noch so beschäftigt. Fast täuscht die Comicform über die existenziellen Themen dieses Buches hinweg, aber: es lohnt sich. Ein Buch, das eindeutig meine Weltsicht verändert hat. (Ein weiterer Tipp zu Eigentumsrechten, Liebe und Monogamie: "Wie wir lieben - vom Ende der Monogamie" von Friedemann Karig).


"Oh, Simone!" von Julia Korbik

Dass der Klassiker von Simone de Beauvoir (Das andere Geschlecht) quasi ein Must-read der feministischen Literatur ist, das bekommt früher oder später jede_r mit, der/die sich mit diesem Thema beschäftigt. Liest man das im Original, darf man sich auf schlanke 900 Seiten freuen. Ich jedoch kenne niemanden, der dieses Buch komplett gelesen hat, inklusive mir. "Oh, Simone!" jedoch war mein Einstieg in das Denken und Wirken von Simone de Beauvoir und hat mir auf sehr angenehme Weise diese außergewöhnliche Frau und ihre Ideen nähergebracht. Es gibt einen Überblick über Beauvoir's inspirierendes Leben, ihre Beziehungen und ihre Werke und hat in mir noch lang nachgehallt. Was ich durch dieses Buch und von Simone de Beauvoir gelernt habe: Alles wollen und sich nicht dafür schämen.


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