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  • Anna-Lena

"Und was macht eigentlich Merkels Mann?"

Dieses Projekt und die Planung dafür besteht schon seit Längerem in unseren Köpfen - und dann war es endlich so weit: die Webpage steht, die Facebook-Seite, Instagram und Twitter sind verbunden. Es geht los, endlich kann ich über all die spannenden Dinge schreiben, die sich schon seit einigen Monaten in meinem Kopf angesammelt haben.


An Ideen mangelt es nicht: es gibt unzählige interessante weibliche Persönlichkeiten, wie z.B. Mileva Maric, die erste Frau die Mathematik und Physik studierte. Sie hatte das Glück 1875 in eine wohlhabende serbische Familie geboren zu werden. Ihr Vater erkannte und unterstützte ihre intellektuellen Fähigkeiten und förderte sie in ihrer Bildung, so dass sie einen wichtigen Beitrag zur Relativitätstheorie leisten konnte. Zudem war sie Mutter von drei Kindern, viele Jahre alleinerziehend und verantwortlich für die Pflege ihres schizophrenen Sohnes.


Aber auch außerhalb von historischen bzw. mehr oder minder bekannten Frauen gibt es unzählige Quellen der Inspiration: Frauen, die sich trotz super Abschlüssen von jedem Erwartungsdruck von außen befreit haben, um eigene Projekte zu starten. Da fällt mir sehr schnell meine eigene Schwester ein, die eine vielversprechende wissenschaftliche Karriere an den Nagel hing, aufs Land zog, um sich von dort gemeinsam mit Kindern und Familie ihr ganz eigenes Geschäft aufzubauen. Aus meiner Perspektive ist ihre Geschichte eine kleine Heldinnenreise - von der, die allen Ängsten zum Trotz auszog, um sich und ihrer Familie ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Ich denke, dass sich hinter jeder Frau eine Heldinnen-Geschichte verbirgt, bei der es sich lohnen würde, diese näher zu beleuchten und aufzuschreiben.


Und dann gibt es auch noch die kollektive Geschichte, bei der es sich nicht um einzelne Personen dreht: in der geht es zum Beispiel um Kaffeekränzchen, die von Frauen organisiert wurden, nachdem das 1850 erschienene preußische Versammlungs- und Vereinsrecht sie aus allen politischen Versammlungen und Vereinen ausschloss. Die Frauen erfanden scheinbar unpolitische Veranstaltungen, auf denen Reden gehalten wurden. Dort hatten sie die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu bilden.

Die Auswirkungen der Kaffeekränzchen und ähnlicher kluger Schachzüge sind bis heute deutlich zu merken. Sie sind ein Teil der Geschichte, die es mir jetzt ermöglicht, einfach so ein Wise Women Collective zu gründen und einen Blog zu schreiben.


Die Überlegungen dazu führten zu anderen Fragen: Seit wann gibt es eigentlich sowas wie Sisterhood? Wo war der Anfang? Bestimmt gab es mindestens im Bereich von Geburt schon immer Zusammenschlüsse von Frauen, die sich gegenseitig unterstützten, sich verbanden und ihr Wissen weitergaben.


Und so kam es, dass ich 1000 Ideen im meinem Kopf hatte, viele Artikel anfing um dann zu entscheiden, dass ich doch lieber zuerst etwas anderes schreiben sollte. Jeder Anfang blieb nur ein Anfang. Dann kamen noch die Gedanken auf der Meta-Ebene: braucht unser Blog eine logische Abfolge? Suche ich mir einen Zeitpunkt, von dem aus ich chronologisch über Dinge schreibe? Behandele ich zuerst bestimmte Themenblöcke? Oder schreibe ich abwechslungsreich über Geschichtliches, Spirituelles, Personenbezogenes, Aktuelles? Und gibt es so etwas wie den optimalen Weg, mit einem Blog zu starten?


Tage vergingen, Wochen vergingen, und dann kam die Erkenntnis: Ich habe mich selbst schachmatt gedacht - es war, als würden sich alle Ideen und Fragen gegenseitig blockieren, als würden sie alle gleichzeitig versuchen, durch eine Tür nach draußen zu kommen und dort steckenbleiben. Mit dem Resultat, dass am Ende nichts rauskam.


Zum Glück handelte es sich nicht um meine erste Schreibblockade. Also kramte ich die üblichen Strategien raus, die sich bei mir in der Vergangenheit bewährt hatten. Brainstorming und Mindmap führten mir das Problem nochmal vor Augen: Zu viel auf einmal und zu weit in die Zukunft gedacht. Aber damit war die Blockade noch nicht gelöst.


Dementsprechend musste ich einen Schritt weiter gehen. Für mich ist es häufig sehr hilfreich, mit anderen Menschen zu sprechen. Allein das Sprechen hilft mir, meine Gedanken zu sortieren und sie auf das Nötigste zu reduzieren - denn es ist unmöglich alles zu sagen, was man denkt. Der zweite Vorteil besteht für mich darin, zu sehen, was bei dem gegenüber ankommt: Ist es verständlich was ich sage? Welche Punkte werden aufgegriffen? Und natürlich - fast am wichtigsten - hat die Person vielleicht eine Lösung für mich oder kann sie mich dabei unterstützen, da irgendwie rauszukommen?


Viele Gespräche und viele neue Ideen später kam der Durchbruch: Ich habe mich entschieden mit einer Person zu sprechen, die weder begeistert von den Themen ist, noch etwas mit Bloggen bzw. Schreiben zu tun hat. Und die Reaktion war: "Aber weißt du denn, was Merkels Mann macht? Und was Männer 1850 getan haben? Du bist da sehr einseitig".


Nein, ich weiß nicht was Merkels Mann macht. Und es ist mir auch egal, denn darum soll es hier nicht gehen. Und damit war mir auch klar, worum es gehen soll: Um Geschichten von Frauen, um die Geschichte der Frauen, um Persönlichkeiten und persönliche Perspektiven. Einige Artikel werden lang, andere kurz. Wir werden über die Dinge und Frauen schreiben, die uns inspirieren. Es wird weder eine chronologische Reihenfolge geben, noch erheben wir den Anspruch auf Vollständigkeit. Aber es wird nicht um Männer gehen, auch nicht um Merkels Mann. Und wenn ich über Mileva Maric schreiben werde, dann wird mit Sicherheit ihr Ehemann Albert Einstein erwähnt, aber nur, weil die Begegnung mit ihm ihr Leben dramatisch veränderte. Trotzdem wird es ein einseitiger Artikel, denn es wird sich um ihr Leben drehen.











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